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Die Ardennenoffensive (auch Rundstedt-Offensive) fand gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Osten und Nordosten von Belgien sowie in Teilen des Großherzogtums Luxemburg statt. Betroffen waren die Gebiete um die Städte Bastogne, St. Vith, Rochefort, La Roche, Houffalize, Stavelot, Clerf, Diekirch, Vianden und die südlichen Ostkantone. Es war die letzte Offensive der deutschen Wehrmacht. Die deutschen Truppen versuchten vergeblich, an der Westfront wieder die Initiative zu ergreifen. Das Unternehmen „Wacht am Rhein“ begann am 16. Dezember 1944.

Die Durchführung der Offensive

Der Angriffszeitpunkt wurde während einer winterlichen Schlechtwetterphase gewählt, um die Offensive möglichst unbedrängt von der allgegenwärtigen Vorherrschaft der alliierten Luftstreitkräfte durchführen zu können. Die Operation wurde unter größter Geheimhaltung geplant, so dass teilweise selbst höhere Offiziere der eigenen Truppen ursprünglich nichts von den genauen Angriffsplänen wussten.

Ähnlich wie bereits 1940 sollten sich deutsche Panzertruppen den Weg durch das unwegsame Gelände der Ardennen bahnen und die Alliierten zurückwerfen. Eines der Hauptangriffsziele war die Hafenstadt Antwerpen, die für die Alliierten für ihren Nachschub von großer Bedeutung war. Zuerst sollte ein Vorstoß bis zur Maas gelingen, um von dort aus über Lüttich dem Albertkanal folgend Antwerpen zu erreichen. Zugleich bestand die operative Absicht darin, einen Keil zwischen die britischen und amerikanischen Truppen im Raum Aachen und Maastricht zu treiben, um diese sodann zu vernichten. Die Ardennen als Ziel einer umfassenden Gegenoffensive waren tatsächlich gut gewählt. Einige der amerikanischen Einheiten in diesem Gebiet waren in ihrer Kampffähigkeit eingeschränkt, da das Ardennengebiet von den Amerikanern als „Vorbereitungsgebiet“ für neue, unerfahrene Einheiten und als „Erholungsraum“ für geschwächte Truppenteile, die eine „Ruhepause“ nach der Schlacht um Hürtgen (Allerseelenschlacht) benötigten, genutzt wurde.


Insgesamt standen an diesem Frontabschnitt nur mehr als 4 U.S.-Divisionen. Von der amerikanische Seite wurde die Offensivfähigkeit der Deutschen zu diesem Zeitpunkt generell nur noch als gering eingeschätzt und mit einer Offensive in den Ardennen wurde am wenigsten gerechnet. Zudem waren die Alliierten nach der misslungenen Operation Market Garden im September 1944 mit ihren eigenen Offensivvorbereitungen nördlich und südlich der Ardennen beschäftigt. Der militärische Nachrichtendienst der Alliierten konnte aus den durchaus vorhandenen Einzelbausteinen, die auf eine geplante, große Operation der Deutschen hindeuteten (Berichte von Truppenverlegungen, einzelne Aussagen von Kriegsgefangenen höherer Ränge, abgehörte Funksprüche etc.) nicht das entsprechende „Gesamtbild“ ableiten und war nicht in der Lage, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dazu kam, dass die wichtigsten Befehle auf deutscher Seite nicht, wie bisher, per Funk, sondern per Kradmelder übertragen wurden. Die Engländer waren ja schon seit langem in der Lage, den deutschen Funkverkehr zu entschlüsseln (Alan Turing im Bletchley Park).

Zur Unterstützung der Offensive wurden zwei weitere Kleinunternehmen durchgeführt: Unternehmen Greif war der Deckname für ein Kommando deutscher Soldaten unter dem Befehl von Otto Skorzeny. Die perfekt englisch sprechenden Soldaten sollten sich mit Uniformen der US- amerikanischen Armee tarnen und trugen die Erkennungsmarken gefallener oder gefangener Amerikaner. Die Soldaten wurden in drei Infanterie-, vier Panzer-, zwei Nachschub- und drei Panzerjägerregimentern zusammengefasst, die mit Panzern und Waffen aus alliierten Beutebeständen ausgestattet werden sollten. Doch an der Ausstattung mit schweren Waffen mangelte es erheblich. Von den 25 versprochenen Sherman-Panzern erhielt die Truppe gerade mal zwei. Die Englisch-Kenntnisse der Soldaten waren überwiegend schlecht. Die Aufgabe der Soldaten des „Greif-Kommandos“ war hauptsächlich, Verwirrung hinter den feindlichen Linien zu stiften, doch sollten sie auch mehrere Brücken über die Maas zwischen Namur und Lüttich besetzen.

Das Unternehmen Stösser war eine Luftlandeaktion, in deren Umfang in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1.300 Fallschirmjäger unter der Führung von Friedrich August von der Heydte 11 Kilometer nördlich von Malmedy abspringen und eine wichtige Nachschubroute der Amerikaner blockieren sollten. Aufgrund eines starken Schneesturms erreichte allerdings nur etwa ein Fünftel der Truppe die Landungszone, die übrigen Fallschirmjäger landeten über das gesamte Gebiet der Ardennen verteilt.

Der gelungene Überraschungscoup konnte zunächst von der deutschen Armee in beträchtliche Anfangserfolge umgemünzt werden. Die amerikanischen Frontstellungen waren in Auflösung begriffen, eine ungeordnete Rückzugsbewegung unter teilweisem Verzicht auf Waffen und Material setzte ein. Allerdings erkannte das amerikanische Oberkommando unter General Dwight D. Eisenhower die drohende Gefahr und die strategische Bedeutung der Lage sofort und handelte unverzüglich. Kompetenzen für einzelne Truppenteile wurden verschoben, der britische General Bernard Montgomery erhielt das Kommando über alle amerikanischen Truppenteile nördlich des deutschen Vorstoßes, der amerikanische General Omar Bradley jenes über die Truppenteile südlich davon. Gleichzeitig wurde sofort ein Teil der strategischen Reserve, die 82. und die 101. US-Luftlandedivision mobilisiert und selbst noch in England wurden die Ersatztruppenlager in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Weiterhin ordnete Eisenhower an, dass General George S. Patton mit seiner 3. Armee, die im Süden vor dem Saarland stand, einen Linksschwenk nach Norden vornehmen sollte, um die vorstoßenden deutschen Truppen an ihrer südlichen Flanke anzugreifen. Gegen die Spitze der deutschen Angreifer wurde eiligst die 101. US-Luftlandedivision unter General Anthony McAuliffe geworfen, die in Bastogne, einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in den belgischen Ardennen, ihre Defensivposition einnahm. Den deutschen Angriffskräften gelang in weiterer Folge die Einkesselung der Stadt Bastogne. Die deutsche Angriffsspitze näherte sich bis auf 9 km der Maas bei Dinant. Allerdings konnte die 101. US-Luftlandedivision die Stadt gegen die lokal vorhandene deutsche Übermacht halten (Dauer der Einkesselung vom 21. Dezember 1944 bis zum 13. Januar 1945) und die Stadt blieb ein Dorn im Auge der deutschen Angriffsbemühungen. Der von Süden angreifenden 3. Armee von General Patton gelang es dann, unterstützt durch das Wiedererlangen der amerikanischen Luftherrschaft in Folge der Wetterbesserung, die Stadt zu befreien und die erschöpften Truppen der 101. US-Luftlandedivison zu entsetzen. Die in der Zwischenzeit wieder zum Tragen gekommene Materialüberlegenheit der US-Amerikaner ließ schließlich den deutschen Angriff zusammenbrechen.

Nach Weihnachten klarte das Wetter wieder zunehmend auf und die Alliierten konnten ihre Lufthoheit wieder vermehrt ausnutzen. Am 1. Januar 1945 wurde deshalb das Unternehmen Bodenplatte durchgeführt. Dies war der letzte große Luftangriff der deutschen Luftwaffe, durch den der Wehrmacht die Fortsetzung der Ardennenoffensive ermöglicht werden sollte. Unter strengster Geheimhaltung griffen hunderte deutscher Flugzeuge mehrere alliierte Flugstützpunkte in Belgien an, um soviele alliierte Flugzeuge, Hangars und Startbahnen wie möglich zu zerstören oder zu beschädigen. 465 alliierte Flugzeuge wurden bei dem Angriff zerstört oder beschädigt. Durch Gegenangriffe alliierter Flugzeuge und unerwartet starke Flak-Gruppierungen verloren die deutschen allerdings ebenfalls 277 Flugzeuge (62 durch alliierte Flugzeuge, 172 durch alliierte und deutsche Flak). Aufgrund der hohen Geheimhaltungsstufe wusste selbst das deutsche Flak-Personal nicht Bescheid und eröffnete das Feuer auf die eigenen Flugzeuge bei deren Rückkehr. Das Unternehmen Bodenplatte war insgesamt gesehen ein Fehlschlag, da die Alliierten aufgrund ihres starken Rüstungspotentials ihre Verluste leicht ausgleichen konnten, während sich die Luftwaffe von den erlittenen Verlusten nicht mehr erholte.


Die Ardennenoffensive endete offiziell am 21. Januar 1945, obschon einige Ortschaften in den Ostkantonen erst im Februar 1945 befreit wurden.

Fazit und Folgen der Ardennenoffensive

Insgesamt waren etwas über eine Million Soldaten an der Schlacht beteiligt, was sie zu der größten Landschlacht des Zweiten Weltkrieges mit amerikanischer Beteiligung machte. Sie wird von den Amerikanern als „Battle of the Bulge“ bezeichnet (von engl. bulge: Ausbuchtung, Beule, nach der Ausbuchtung des Frontverlaufs Richtung Westen). Der Verlust an Leben, Panzern, Kampfflugzeugen und Treibstoff beschleunigte den Untergang des Deutschen Reichs merklich, die Operationsfähigkeit in großem Stil war für die deutsche Armee an der Westfront nach dem Zusammenbruch der Offensive nicht mehr gegeben.

Die Panzerverbände, die nach dieser Offensive noch genügend Kampfkraft hatten, verlegte man nochmals an die Ostfront, um dort zu versuchen, Budapest von der russischen Belagerung zu entsetzen.

Bereits in der Anfangsphase der Schlacht ereignete sich das Kriegsverbrechen von Baugnez bei Malmedy, wo mehr als 70 amerikanische Kriegsgefangene von deutschen SS-Soldaten erschossen worden sind (Malmedy-Massaker). Mindestens zwei weitere derartigen Massenerschießungen soll es noch bei Honsfeld (19 amerikanische Gefangene erschossen) und bei Büllingen (50 erschossen) gegeben haben. Dies konnte jedoch nie exakt von den Alliierten bewiesen werden. Der Name des Anführers einer Kampfgruppe der 1. SS-Panzerdivision Leibstandarte Adolf Hitler, SS-Obersturmbannführer Jochen Peiper wurde in diesem Zusammenhang von den Alliierten auch immer wieder genannt. Peiper war zwar am Malmedy-Massaker nicht unmittelbar beteiligt; jedoch wurde es von ihm Untergebenen ausgeführt. Nach Kriegsende wurde eine Anzahl Waffen-SS-Angehöriger vor Gericht gestellt und verurteilt (Malmedy-Prozess).

Opfer der Ardennenoffensive

  Gefallene Vermisste Verwundete gesamt
Deutsche 17.236 16.000 34.439 67.765
Amerikaner 8.607 21.144 47.139 76.890

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